Schattenarbeit Fragen: 30 ehrliche Fragen

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30 Fragen für einen ruhigen Einstieg

Ich habe lange geglaubt, ich sei einfach faul. Ich wusste meistens genau, was zu tun wäre, gerade bei Dingen, die mir wirklich wichtig waren und trotzdem bin ich immer wieder eingeknickt. Oft ausgerechnet dann, wenn es gerade gut lief. Erst als ich gemerkt habe, dass ich immer unzufriedener wurde, ohne sagen zu können warum habe ich angefangen, wirklich hinzuschauen.

Was dabei ans Licht kam, war keine Faulheit. Es war ein Teil von mir, der Angst hatte, gesehen zu werden und der mich deshalb lieber klein gehalten hat. Genau solche Anteile meint man, wenn man von Schattenarbeit spricht: Seiten an dir, die du irgendwann weggepackt hast, weil sie nicht erwünscht waren und die trotzdem mitbestimmen, wie du heute handelst.

Ich arbeite bei fast allem nach einem einfachen Prinzip. Erst will ich verstehen, warum ich etwas tue, und dann überlege ich, wie ich es anders machen kann. Schattenarbeit ist für mich der ehrlichste Weg zu diesem Warum und sie beginnt fast immer mit einer Frage, bei der man kurz schlucken muss.

Die 30 Fragen in diesem Beitrag habe ich in fünf Bereiche sortiert. Du musst sie weder der Reihe nach beantworten noch an einem Abend. Nimm dir die, die dich gerade anspringt und lass die anderen liegen, bis sie dran sind. Falls du noch gar nicht weißt, was Schattenarbeit eigentlich ist, findest du in meinem Beitrag Shadow Work/Schattenarbeit erklärt einen ruhigen Einstieg.

Erst das Warum, dann das Wie. Sonst passiert gar nichts.

Bevor du anfängst

Am besten funktioniert es, wenn du dir pro Abend nur eine Frage vornimmst und die Antwort mit der Hand aufschreibst. Beim Schreiben bist du langsamer als beim Denken und genau das hilft, weil du an Stellen hängen bleibst, über die du im Kopf einfach hinweggehen würdest. Wenn dir zu einer Frage nichts einfällt, schreib genau das auf. Oft kommt der eigentliche Gedanke erst im zweiten oder dritten Satz.

Eine Sache ist mir dabei wichtig: Schattenarbeit ist Selbstreflexion und keine Therapie. Wenn dich eine Frage sehr aufwühlt oder an alte Verletzungen rührt, darfst du jederzeit aufhören. Manche Themen gehören in einen geschützten Rahmen mit einer Fachperson und es ist ein gutes Zeichen, wenn du das für dich erkennst.

Was dich an anderen aufregt

Vielleicht kennst du das: Eine Kollegin erzählt in jeder Besprechung von ihren Erfolgen und du ärgerst dich den ganzen Nachmittag darüber, obwohl es dich eigentlich gar nicht betrifft. Solche Reaktionen sind oft ein Hinweis auf etwas, das du dir selbst nicht erlaubst.

1. Welche Eigenschaft an anderen Menschen regt mich besonders auf?

2. Was genau daran trifft mich, und wo erkenne ich etwas davon in mir?

3. Bei wem fühle ich mich sofort unterlegen und woran liegt das?

4. Bei wem werde ich schnell kritisch und was sagt das über meine eigenen Ansprüche?

5. Welche Bemerkung hat mich zuletzt länger beschäftigt, als sie eigentlich sollte?

6. Welchen Menschen gehe ich aus dem Weg und welches Gefühl vermeide ich dabei?

7. Welche Art von Mensch finde ich sofort unsympathisch, ohne ihn überhaupt zu kennen?

Gefühle, die keinen Platz hatten

Wenn du früher nach einem Streit gehört hast, du sollst dich nicht so anstellen, hast du vielleicht gelernt, Wut oder Traurigkeit lieber für dich zu behalten. Verschwunden sind diese Gefühle dadurch nicht. Sie suchen sich nur andere Wege.

8. Welches Gefühl zeige ich anderen am ungernsten?

9. Wann war ich zuletzt wütend und habe es heruntergeschluckt?

10. Auf wen bin ich neidisch und welcher Wunsch steckt hinter diesem Neid?

11. Welche Trauer habe ich mir nie richtig erlaubt?

12. Wofür entschuldige ich mich, obwohl ich nichts falsch gemacht habe?

13. Wo in meinem Körper spüre ich es, wenn ich ein Gefühl unterdrücke?

Alte Regeln aus deiner Kindheit

Sätze wie „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ oder „Was sollen denn die Leute denken“ klingen harmlos. Viele von uns richten sich aber bis heute danach, ohne je gefragt zu haben, ob sie noch zu unserem Leben passen.

14. Welche Sätze habe ich als Kind oft gehört, und welche davon sage ich mir heute selbst?

15. Wofür wurde ich gelobt und wofür wurde ich übersehen?

16. Welche Rolle hatte ich in meiner Familie und spiele ich sie heute noch?

17. Welche Regel befolge ich bis heute, obwohl ich sie nie hinterfragt habe?

18. Was hätte ich damals gebraucht und kann ich es mir heute selbst geben?

Scham und dein Bild von dir

Über Scham wird kaum gesprochen, dabei zeigt sie sich oft ganz unscheinbar. Zum Beispiel, wenn du ein Foto von dir sofort löschst oder über dich selbst einen Witz machst, bevor es jemand anderes tun kann.

19. Wofür schäme ich mich heimlich?

20. Welchen Teil von mir verstecke ich vor anderen?

21. Was soll auf keinen Fall jemand über mich denken?

22. Welche Seite an mir mag ich nicht und wovor hat sie mich vielleicht einmal geschützt?

23. Wann fühle ich mich zu viel und wann nicht genug?

24. Was würde ich mir heute gern verzeihen?

Dein goldener Schatten

Zum Schatten gehören nicht nur die Seiten, die du an dir ablehnst. Oft versteckst du auch Stärken, weil es sich sicherer anfühlt, nicht aufzufallen. Bei mir war es die Angst, wirklich gesehen zu werden. Sie hat sich nie wie Angst angefühlt, sondern wie Faulheit und genau deshalb habe ich sie so lange nicht erkannt.

25. Welche Eigenschaft bewundere ich an anderen am meisten und wo steckt ein kleines Stück davon auch in mir?

26. Für welche Stärke wurde ich als Kind eher gebremst als ermutigt?

27. In welchen Situationen halte ich mich zurück, obwohl ich eigentlich etwas zu sagen hätte?

28. Was würde sich verändern, wenn andere sehen würden, was ich wirklich kann?

29. Welche Seite von mir zeige ich nur Menschen, bei denen ich mich ganz sicher fühle?

30. Was würde ich anfangen, wenn mir niemand dabei zusehen könnte?

Was du mit deinen Antworten machst

Erst einmal gar nichts. Du musst aus keiner Antwort sofort einen Vorsatz machen. Lies deine Notizen lieber nach ein paar Tagen noch einmal durch. Dann fallen dir oft Sätze auf, die sich wiederholen, oder ein Gefühl, das in mehreren Antworten auftaucht. An diesen Stellen lohnt es sich weiterzuschreiben und wenn du dafür noch mehr Anregungen suchst, findest du in meinem Beitrag Journaling für Selbsterkenntnis weitere Fragen.

Vielleicht ist dir beim Schreiben aufgefallen, dass sich dein Schatten vor allem darin zeigt, wie du dich selbst ausbremst. Du schiebst Dinge auf oder sagst Ja, obwohl du eigentlich Nein meinst. Dann steckt oft eines von fünf leisen Mustern dahinter, die ich in meinem Beitrag Über die leisen Arten, sich selbst im Weg zu stehen beschrieben habe.

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deine Steffie von Nebelhain ☽

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