Perfektionismus als Selbstsabotage: Warum er dich ausbremst

☽

Warum zu hohe Ansprüche dich oft gar nicht erst anfangen lassen

Ich habe lange geglaubt, ich sei faul, weil ich Dinge nicht angefangen oder kurz vor dem Ziel liegen gelassen habe. Dass genau dieses Verhalten auch eine ganz andere Ursache haben kann, habe ich erst spät verstanden. Eine davon ist Perfektionismus.

Von außen wirkt Perfektionismus wie eine Stärke. Wer hohe Ansprüche hat, gilt als gewissenhaft und zuverlässig und viele Perfektionistinnen bekommen genau dafür Anerkennung. Was dabei niemand sieht, ist der Preis: die Abende, an denen du an einer Kleinigkeit feilst, die Projekte, die nie das Licht der Welt erblicken und das leise Gefühl, dass es trotzdem nie ganz reicht.

In meinem Beitrag über die leisen Arten, sich selbst im Weg zu stehen ist die Perfektionistin eines von fünf Mustern. Hier schauen wir genauer hin: wie sich Perfektionismus im Alltag zeigt, wovor er dich eigentlich schützen will und wie du anfangen kannst, ihn ein Stück loszulassen.

Ein fertiger Entwurf bringt dich weiter als ein perfekter, der nur in deinem Kopf existiert.

Wie Perfektionismus im Alltag aussieht

Perfektionismus ist selten spektakulär. Er zeigt sich in kleinen Momenten, zum Beispiel wenn du eine kurze E-Mail zum fünften Mal umformulierst, bevor du sie abschickst oder wenn du ein Geburtstagsgeschenk so lange suchst, bis die Zeit knapp wird und du am Ende doch irgendetwas kaufst.

Manchmal zeigt er sich auch darin, dass du etwas gar nicht erst anfängst. Du wolltest schon lange mit dem Schreiben, dem Sport oder einem eigenen Projekt beginnen, aber irgendwie war der richtige Moment noch nicht da. Erst müsste mehr Zeit sein, mehr Wissen, ein besserer Plan. So vergehen Monate und das, was dir eigentlich wichtig ist, bleibt liegen.

Und selbst wenn du etwas fertig machst, kannst du dich oft nicht darüber freuen. Jemand lobt deine Arbeit und du siehst nur die Stelle, die noch besser hätte sein können.

Gesunder Anspruch oder Perfektionismus?

Nicht jeder hohe Anspruch ist ein Problem. Es ist schön, wenn dir Qualität wichtig ist und du dir Mühe gibst. Der Unterschied liegt darin, was dich antreibt und wie es sich anfühlt, wenn etwas nicht ganz gelingt.

Gesunder Anspruch

☽ Fragt, ob etwas gut ist.

☽ Gibt dir Energie.

☽ Erlaubt, dass etwas fertig ist.

☽ Ein Fehler ist ärgerlich, aber verkraftbar.

Perfektionismus

☽ Fragt, ob jemand einen Fehler finden könnte.

☽ Kostet dich Energie.

☽ Findet immer noch etwas zu verbessern.

☽ Ein Fehler fühlt sich an wie ein Urteil über dich.

Wovor dich Perfektionismus schützen will

Perfektionismus ist kein Charakterfehler. Er ist eine Strategie, die irgendwann einmal sinnvoll war. Viele Perfektionistinnen haben früh gelernt, dass sie für Leistung Anerkennung bekommen, und daraus wurde mit der Zeit die Überzeugung, nur dann in Ordnung zu sein, wenn alles stimmt.

Dahinter steckt fast immer die Angst vor Bewertung. Solange etwas nicht fertig ist, kann es niemand kritisieren. Solange du nicht anfängst, kannst du auch nicht scheitern. Ich kenne dieses Gefühl, gesehen und bewertet zu werden nur zu gut und gerade deshalb weiß ich, wie überzeugend es sich als Vorsicht oder Gründlichkeit tarnen kann.

Wenn du das verstehst, verändert sich etwas Wichtiges. Du musst nicht mehr gegen dich selbst kämpfen, sondern kannst dich fragen, ob dieser Schutz heute noch nötig ist.

Kleine Schritte raus aus dem Perfektionismus

Leg vorher fest, wann etwas fertig ist. Perfektionismus lebt davon, dass das Ziel immer weiter wegrückt. Schreib dir auf, woran du erkennst, dass eine Aufgabe erledigt ist, bevor du anfängst und halte dich dann daran.

Gib dir ein Zeitlimit. Eine E-Mail bekommt zehn Minuten, eine Präsentation einen Nachmittag. Wenn die Zeit um ist, schickst du ab, was da ist. Am Anfang fühlt sich das unangenehm an und genau das ist der Punkt, an dem du übst.

Mach bewusst etwas „nur gut genug“. Such dir eine kleine Sache aus, bei der wenig auf dem Spiel steht und mach sie absichtlich nicht perfekt. Beobachte danach, was passiert. Meistens merkt es niemand und du lernst Stück für Stück, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt.

Schreib das Warum auf. Wenn du merkst, dass du wieder an etwas feilst, halte kurz inne und frag dich, wessen Urteil du gerade fürchtest. Die Antwort aufzuschreiben, hilft mehr, als nur darüber nachzudenken. Wie du dabei vorgehen kannst, zeige ich dir in meinem Beitrag zum Schattenarbeit-Journal.

Perfektionismus tritt übrigens selten allein auf. Bei vielen Frauen hängt er eng mit dem Aufschieben zusammen oder damit, eigene Erfolge kleinzureden. Welches Muster bei dir im Vordergrund steht, macht einen großen Unterschied dafür, wo du am besten ansetzt.

Kostenloser Guide

Die 5 leisen Muster der Selbstsabotage

Ist es wirklich der Perfektionismus, oder steckt ein anderes Muster dahinter? Im kostenlosen Guide erkennst du an den stillen Anzeichen, welches Muster bei dir am stärksten ist, und bekommst zu jedem Muster Fragen, die genau dort ansetzen.

Hol dir den kostenlosen Guide ☽

12 Seiten, kostenlos und direkt in dein Postfach.

Such dir heute eine Kleinigkeit aus, die einfach nur fertig sein darf.

deine Steffie von Nebelhain ☽

☽ ☽ ☽

Wenn du tiefer gehen möchtest

Dir selbst im Weg · Das Workbook

52 Seiten mit ehrlichen Fragen zu den Mustern, die dich ausbremsen. Zum Ausfüllen und in deinem Tempo.

Zum Workbook ☽